Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Psychologisches Institut
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Wissensrepräsentation
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Es gibt 3 unterschiedliche Ansätze von Repräsentationssystemen:
Die Mehrzahl der bisher entwickelten formalen Modell sind propositionale Repräsentationssysteme, die gelegentlich
auch als "bedeutungsbasierte" oder "quasi-linguistische" Formen der Wissensrepräsentation bezeichnet werden.
Sie finden insbesondere zur Rekonstruktion des als sprachlich-begrifflichen, aber auch des als episodisch
umschriebenen Wissens Verwendung. Ein gemeinsames Merkmal ist, dass sprachlich-begrifflich formulierbare
Informationen mit speziellen, diskreten Symbolstrukturen, sog. Propositionen, dargestellt werden. Diese
bezeichnen als elementare Einheit zur Wissensrepräsentation den deklarativen Gehalt einer sprachlichen Äußerung
(Bedeutungsgehalt), welcher als eine eigenständige Behauptung fomulierbar ist und sinnvoll als wahr oder
falsch beurteilt werden kann. Die Darstellung von Propositionen erfolgt häufig mit Hilfe von
Prädikat-Argument-Strukturen. Allgemeine Zielsetzung ist die Beschreibung und Erklärung der komplexen
Informationsverarbeitungsprozesse, die der Rezeption/Analyse, Nutzung/Auswertung und Generierung/Produktion
natürlicher Sprache zugrunde liegen. Sprachverarbeitung wird dabei als ein wissensbasierter Prozess aufgefasst.
Semantische Netze
Unter dem Begriff des semantischen Netzwerkmodells (kurz: semantisches Netz) werden in der Literatur recht
unterschiedliche Modellvorstellungen subsumiert. Charakteristisch für semantische Netze ist ihr theoretischer
Anspruch, dass sie ein Modell der Organisation sprachlicher Gedächtnisinhalte im Sinne einer Repräsentation
der Bedeutung sprachlich-begrifflicher Strukturen im menschlichen Gedächtnis darstellen. Oft wird ein gerichteter
Graph (oder eine entsprechende graphische Notation) als zugrundeliegende formale Struktur verwendet.
Die Knoten und Kanten eines Graphes stehen für sprachliche Einheiten und Relationen. Die Modellvorstellungen
unterscheiden sich dadurch, von welchen elementaren sprachlichen Einheiten (Begriffe, Sätze bzw. Relationen)
sie ausgehen, welche klassifikatorischen (Unter-/Oberbegriff), modifikatorischen (Attributzuschreibung),
syntaktischen (Nominal-, Verbalphrase) oder semantischen (Handlung, Akteur, Objekt) Relationen zugrundegelegt
werden und welche Prozesse (Vergleichs-, Inferenzprozesse, Aktivierungsvorgänge) im Mittelpunkt des Interesse stehen.
Frames
Die mangelnde Ausdrucksmächtigkeit semantischer Netze führte zur Entwicklung allgemeinerer Formalismen.
Nach Minsky (1975) ist ein Frame (Rahmen) eine strukturierte Repräsentation eines Objektes oder einer Klasse
von Objekten im Sinne einer Verallgemeinerung semantischer Netzwerkmodelle.
Regelbasierte Reprärentationssysteme unterscheiden zwischen Daten, Operationen und Kontrollwissen
(wie in →"Methoden der Wissenspsychologie" beschrieben).
Diese Unterscheidung spiegelt sich auch in der bekanntesten Form von regelbasierten Repräsentationssystemen wider: den Produktionensystemen.
Im Allgemeinen bestehen Modelle von Produktionensysteme aus drei unterschiedlichen Einheiten:
Die Frage der Adäquatheit von Produktionensystemen kann generell aus
unterschiedlichen Betrachtungsweisen erörtert werden:
- Als Modellvorstellung für die Architektur des menschlichen kognitiven Apparats
- Als formale Sprache zur Darstellung von Berechnungsmodellen
- Als Programmsysteme oder als Programmiersprache im Sinne eines Werkzeugs zur konkreten Realisierung einzelner Betrachtungsweisen
Produktionensysteme als kognitionspsychologische Modellvorstellung
Die Attraktivität der Produktionensysteme als kognitionspsychologische Modellvorstellung entspringt den folgenden Gründen:
- Homogenität und Modularität d.h. die Daten und die Regeln sind untereinander unabhängig. So kann eine Regel nicht direkt eine andere Regel aufrufen. Diese Modularität spiegelt den assoziativen Charakter weite Bereiche menschlichen Wissens wider. Außerdem lassen sich so verschiedene Lernmechanismen leicht modellieren.
- Parallelität und Serialität Produktionensysteme integrieren grundlegende allgemeinpsychologische Vorstellungen über parallel und seriell ablaufende Informationsverarbeitungsvorgänge.
- Daten- /Zielorientierte Informationsverarbeitung Mit Produktionensystemen lassen sich sowohl Datengesteuerte Informationsverarbeitung (bottom up) als auch Zielorientierte Informationsverarbeitung (top down) modellieren.
- Produktionensysteme vs. S-R-Theorien Produktionensysteme weisen eine Ähnlichkeit mit Stimulus-Reaktions-Systemen auf und erweitern diese in entscheidender Weise. Anderson (1976) zeigte, dass sich mit Hilfe von SR-Theorien nur sehr spezifische Vorgänge der Informationsverarbeitung simulieren lassen. Nämlich gerade so viele, wie sich mit Hilfe einer endl. Automaten beschreiben lassen. Die Erweiterungen der Produktionensysteme erweitern diese auf Turingautomatenmächtigkeit. Das heißt es lassen sich mit Produktionensystemen alle intuitiv berechenbare Algorithmen formulieren (s. Church'sche These)
- Gedächtnismodellierung Die Bestandteile von Produktionensystemen lassen sich als Strukturtheorien des Gedächtnisses interpretieren. So lassen sich eine Reihe von gedächtnispsychologischen Vorstellungen modellieren (Speicherung, Abruf, Aufmerksamkeitsfokussierung)
Eine Definition von analogen Repräsentationen verfasste Steiner (1988):" Analoge Repräsentationen sind Abbildungen,
die die Eigenschaften (oder zumindest einige von ihnen) eines abzubildenden Objektes oder Umweltereignisses
beibehalten..."
Gemeint sind damit in erster Linie bildliche Vorstellungen, die sich Personen in das Bewusstsein rufen können,
ohne dabei auf das Vorhandensein einer realen Reizgrundlage angewiesen zu sein. Solche Vorstellungen können analog
zu akustischen, visuellen, haptischen oder anderen Stimuluskonstellationen sein.
Die Frage, ob tatsächlich analoge Repräsentationsformen im menschlichen Gedächtnis existieren oder ob wir nur über
Wissen von analogen Eigenschaften, das selbst nicht analog repräsentiert ist, verfügen wurde von der Forschung nicht
beantwortet.
Da jegliche Repräsentationsform unbeobachtbar ist und lediglich Verhalten der Beobachtung zugänglich ist,
kann man nur von Verhalten auf die zugrundeliegende Repräsentationsform schließen.
Nach Anderson (1978) ist jedoch selbst das nicht möglich, da zwischen dem gedächtnismäßig abgespeicherten Wissen und
dem resultierenden Verhalten Prozesse zur Interpretation des Wissens vorhanden sein müssen.
Somit kann lediglich von Verhalten auf Prozesse zur Interpretation von Wissen geschlossen werden und nicht
direkt auf Repräsentationsformen.
Modellvorstellungen von der analogen Repräsentation im menschlichen Gedächtnis
Ein bekanntes Experiment von Shepard und Metzler (1971) hat als Gegenstand die vorstellungsmäßige Rotation von
dreidimensional gezeichneten Körpern. Dabei wurden Probanden aufgefordert, jeweils zwei dreidimensionale Körper
zu vergleichen und zu beurteilen, ob die beiden Figuren identisch sind. Gemessen wurde die Reaktionszeiten bis
zur Abgabe einer Antwort. Es wurde festgestellt, dass der Zeitaufwand direkt proportional zu der Größe des
Drehwinkels ist. Die Resultate legen die Interpretation nahe, dass die Personen die gezeichneten Figuren in
ihrer Vorstellung wirklich rotiert haben.
Folgende Fragen beschäftigen die Forschung:
- Muss zusätzlich zu propositionalen Formen der Repräsentation eine analoge (quasi-bildliche) Repräsentation angenommen werden?
- Werden im Langzeitgedächtnis Quasi-Bilder abgelegt oder nur Teile und Eigenschaften von Bildern?
- Gibt es spezielle Verarbeitungsmechanismen, um Vorstellungsbilder zu generieren?
- Wie viele Repräsentationsformen muss man generell annehmen?
Zu diesen Fragen gibt es unterschiedliche Standpunkte und Ansichten. Einige davon sind:
Eigenschaften analogen Wissens: Vergleich von visuellen Wahrnehmungsprozessen mit bildlichen Vorstellungen
Annahme eines sekundären Isomorphismus (Shepard)
Es besteht eine funktionale Äquivalenz zwischen vorgestellten Objekten und Ereignissen einerseits und
aktuell wahrgenommene Objekten und Ereignissen andererseits. D.h. Vorstellungsbilder haben die gleichen
holistischen (das Ganze betreffende) Eigenschaften wie aktuell wahrgenommene Bilder.
Finke und Shepard haben eine Menge von Experimenten und empirischen Befunden aus der Literatur über die
visuelle Wahrnehmung zusammengestellt und aufgelistet, welche Befunde sich mit der funktionalen
Äquivalenz-Hypothese erklären lassen und welche eher anderen Positionen entsprechen. Aus diesen Daten kann
man folgende Schlüsse ziehen:
- Wir verfügen über ein dem Wahrnehmungsprozess analoges Wissen. Es wird zur Enkodierung neuer Objekte und Situationen verwendet und steht uns auch zur Verfügung, wenn keine konkrete Reizgrundlage vorhanden ist. Vorstellungsbilder werden aus analogem Wissen erzeugt.
- Zum analogen Wissen tritt häufig implizites Wissen, was einen höheren Abstraktionsgrad besitzt, zur Ergänzung hinzu.
- Beim Enkodieren verbal-symbolischer Information tritt rasch propositional abgespeichertes implizites Wissen hinzu. Die Tendenz zur Inanspruchnahme verschieden kodiertes Wissen scheint ein häufig vorkommendes Ereignis.
- Jede Beschränkung auf nur eine einzige Repräsentationsart ist höchstens in sehr spezifischen Situationen bzw. zeitlich eng umschriebenen Phasen spezifischer kognitiver Prozesse gültig.
Multiple Kodierungstheorie (Ulrich, Lüer, Klettke, Laß)
Sie verstehen den Aufbau von Wissensrepräsentationen als Interpretations- und Speicherprozess.
Interpretation findet auf verschiedenen, hierarchisch geordneten Ebenen statt.
Ergebnisse auf der einen Ebene können wiederum durch Interpretation in eine andere Ebene abgebildet werden.
Die unteren Ebenen repräsentieren strukturelle Merkmale, die oberen abstrakt-semantische Merkmale.
Die Interpretationen auf jeder Ebene können verschiedene Grade der Elaboriertheit erreichen.
Der Grad ist abhängig vom jeweiligen Zeitaufwand bei der Interpretation und von der Verfügbarkeit vorhandener
Prozeduren dazu. Die Repräsentation von Merkmalen einer Ebene ist um so vollständiger, je elaborierter die
Interpretation auf dieser Ebene erfolgte.
Es werden zunächst zwei Ebenen angenommen (strukturelle, abstrakt-semantische).
Die Ergebnisse auf der strukturellen Ebene werden durch Repräsentation vom Typ Image repräsentiert und stellen
den deklarativen Anteil des analogen Wissens dar. Es wird davon ausgegangen, dass die Repräsentationsform des
Typs Image nicht analog im Sinne von Quasi-Bildern ist.
Die Ergebnisse auf der abstrakt-semantischen Ebene werden durch Repräsentation vom Typ Proposition repräsentiert.
by Dennis Jung 29.Oktober.2002
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